Haarschnitt gegen Vorlesen

Liestal Friseurprojekt fördert das Lesen bei Kindern

Sabine Schneider schneidet die Haare der neunjährigen Anna, während diese laut vorliest. Fotos: S. van Riemsdijk

Sabine Schneider schneidet die Haare der neunjährigen Anna, während diese laut vorliest. Fotos: S. van Riemsdijk

Beim Vorlesen wird für den fünfjährigen Yakop das Haareschneiden günstiger.

Beim Vorlesen wird für den fünfjährigen Yakop das Haareschneiden günstiger.

Im Rahmen vom vierten Schweizer Vorlesetag bot die Kantonsbibliothek letzten Donnerstag ein vielfältiges und interaktives Programm für Kinder und Jugendliche an. Gesamtschweizerisch wird einmal im Jahr an diesem Tag in Schulen, Kindergärten, Bibliotheken und an vielen anderen Orten vorgelesen. Dies, um ein Zeichen zu setzen, wie wichtig das Vorlesen ist. Denn nach wie vor ist dies die einfachste und wirkungsvollste Form der Leseförderung. In der Bibliothek war nebst «Tonie»-Hörstationen und dem Geschichtenkoffer unter dem Motto «Lesen macht schön, Vorlesen macht schöner» auf jeweils zwei Stockwerken ein Pop-up-Coiffeursalon eingerichtet worden. Das Besondere an den beiden Coiffeursalons war, dass die Kinder beim Haareschneiden aus einem selber zu wählenden Buch etwas vorlesen mussten, damit der Haarschnitt an diesem Tag kostenlos war.

Ein literarisches Tauschgeschäft

In diesem Sinne war der freiberufliche Hairstylist Danny Beuerbach aus München, der seit vier Jahren projekthalber als Vorlese-Coiffeur durch Deutschland, Österreich und die Schweiz tourt, als Gast-Coiffeur eingeladen. Er hat sich zum Ziel gesetzt, dieses Projekt mit dem Namen «Book a Look» – das mit einem pädagogischen Grundgedanken im Kern das Lesen und Vorlesen bei Kindern fördern möchte – in der Schweiz zu etablieren.

Im Prinzip geht es darum, dass ein Tauschgeschäft vereinbart wird: Du liest mir vor und ich gebe dir gegen Rabatt einen schönen Haarschnitt. Damit bereitet man nicht nur den Kindern eine Freude, sondern motiviert zusätzlich die Eltern ihre eigenen Kinder zum Vorlesen zu animieren. Und macht obendrauf den Haarschnitt zudem etwas günstiger. Jüngere Kinder, die nicht lesen können, müssen nicht auf ihren literarischen Auftritt und einen neuen Haarschnitt verzichten. Beuerbach redet dann mit ihnen einfach über ein bestimmtes Bilderbuch, das diese ausgewählt haben. Beim Haareschneiden hatten die Kinder in der Bibliothek sichtlich Freude am lauten Vorlesen und liessen sich in ihrem Vortrag von den neugierigen Umstehenden nicht beirren.

Eine Kinderfriseur-Kette aufbauen

Selber aufgewachsen mit einer Leseschwäche liess Danny Beuerbach sich im Jahr 2003 zum Coiffeur ausbilden und machte sich auf diese doch etwas ungewohnte Art mit seinem einzigartigen innovativen Projekt rasch einen Namen. Er möchte andere Coiffeure für diese Idee begeistern und zu einem späteren Zeitpunkt in seiner Laufbahn eine Kinderfriseur-Kette auf der Grundlage von «Book a Look» aufbauen. Die Stiftung «Lesen und Ravensburger» in Deutschland war von dieser Art der Leseförderung so sehr begeistert, dass der Ravensburger-Verlag das Projekt mit einem Buch mit dem Titel «Der magische Frisör» unterstützt und ihn obendrein zum Vorlese-Ambassador von Ravensburger ernannte. An diesem gut besuchten Vorlese- und Haareschneiden-Nachmittag war Danny Beuerbach nicht alleine. Er wurde tatkräftig von der Coiffeuse Sabine Schneider vom Coiffeurgeschäft Heinimann aus Niederdorf unterstützt.

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