Vier Preise – und eine Harfe

Kulturpreis 2026 Der Kanton Basel-Landschaft zeichnet vier Kunstschaffende aus

Lebt mit ihrer Familie in Waldenburg: Vera Schnider.

Lebt mit ihrer Familie in Waldenburg: Vera Schnider.

Von links: Helena Mettler (Leiterin Abteilung Kulturförderung), Olivier Joliat (Kulturrat), Markus Eigenmann, Vera Schnider, Nicole Bernegger, Alex Hendriksen, Reto Tschudin, Barbara van der Meulen (Kulturrätin), Jürg Gohl (Kulturrat), Barbara Piatti (Kulturrätin), Esther Roth (Leiterin Amt für Kultur), Flavian Graber (Kulturratspräsident).Fotos: Matthias Willi

Von links: Helena Mettler (Leiterin Abteilung Kulturförderung), Olivier Joliat (Kulturrat), Markus Eigenmann, Vera Schnider, Nicole Bernegger, Alex Hendriksen, Reto Tschudin, Barbara van der Meulen (Kulturrätin), Jürg Gohl (Kulturrat), Barbara Piatti (Kulturrätin), Esther Roth (Leiterin Amt für Kultur), Flavian Graber (Kulturratspräsident).Fotos: Matthias Willi

Mittwochabend, Gymnasium Oberwil, Aula. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft verleiht die Kulturpreise 2026 – und wer die Gäste aus Kultur, Gesellschaft und Politik beobachtet, spürt: Dieser Abend gilt Menschen, die im Kunstschaffen des Kantons längst ihren Platz haben. Geehrt zu werden, ist die Bestätigung. Das Werk kam zuerst.

Ausgezeichnet werden vier Kunstschaffende. Die Sängerin Nicole Bernegger, der Saxofonist Alex Hendriksen und die Harfenistin Vera Schnider erhalten je einen Spartenpreis Musik; der Choreograf und Tänzer Muhammed Kaltuk den Spartenpreis Choreografie/Tanz – dotiert mit je 20000 Franken. Das Trio TRËI begleitete den Abend musikalisch.

Mehr als eine Geste

Regierungsrat Markus Eigenmann und Landratspräsident Reto Tschudin hoben in ihren Ansprachen hervor, was Kulturpreise leisten sollen – und eben auch können. Sie würdigen die Leistung der Kunstschaffenden und motivieren sie zu weiterem Schaffen. Sie setzen Massstäbe. Und sie tragen dazu bei, engagiertes und qualitativ hochstehendes Kulturschaffen einer breiten Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Den Preisträgerinnen und Preisträgern, so die Botschaft des Abends, kommt dabei auch eine Vorbildfunktion zu.

Für die Leserinnen und Leser der ObZ hat eine dieser Auszeichnungen eine besondere Dimension. Vera Schnider wohnt in Waldenburg – in der ehemaligen Bezirksschreiberei, gleich gegenüber der Endstation der Waldenburgerbahn, mit Mann, Kindern, Eltern und einem barocken Garten mit 300 Sorten Johannisbeeren. Kulturrat Jürg Gohl hielt die Laudatio – und verriet dabei, dass sie vor 24 Stunden noch in Paris auf den Zug wartete.

Vera Schnider und die Harfe

Wie das alles begann? «Das ist zu kitschig», sagt sie zuerst – und erzählt die Geschichte dann doch. 1994, Luzern, Einweihung der neuen Kapellbrücke. Als ein Schiff mit einem Orchester vorbeifährt, beeindrucken das Mädchen Vera Schnider die Harfenspielerinnen mit ihrer Eleganz so sehr, dass sie fortan Harfe lernen will. Ob sie die Musikerinnen überhaupt gehört hat, weiss sie heute nicht mehr. Gesehen hat sie sie. Das genügte. Mit 23 Jahren gründete sie das Ensemble Proton für Neue Musik. Gleichzeitig widmet sie sich der alten Musik: Im vergangenen Jahr entdeckte sie gemeinsam mit zwei Harfenspielerinnen den Komponisten Philippe Joseph Hinner wieder – Harfenlehrer von Marie-Antoinette, mit 29 Jahren gestorben. 17 Stücke hat Schnider davon eingespielt. Zwischen einer elektrischen und einer historischen Harfe, auf die sie in einem Antiquariat gestossen ist, wechselt sie so selbstverständlich wie andere zwischen zwei Sprachen. Ihr Instrument sei die Harfe erst dann nicht mehr, sagt sie, «wenn sie im Zeichentrickfilm den Auftritt der Prinzessin mit Wohlklang untermalt».

Als Dozentin an der Musikakademie Basel, Kuratorin des Musikfestivals Bern und ehemaligem Mitglied des Fachausschusses Musik BS/BL gestaltet und fördert sie weit über die eigene Bühne hinaus. Auch in der Musik, sagt sie, zähle das «Wir» und nicht das «Ich».«Egal, ob im Privaten oder in der Musik: Ich muss hinter allem, das ich unternehme, einen Sinn finden.»

Einen solchen Satz muss man sich verdienen. Sie hat es.

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