«Wenn sie jubeln, juble ich mit»

Buchvernissage «Freiwillig Engagiert» porträtiert zwölf Menschen aus der Nordwestschweiz, die Freiwilligenarbeit machen

Freiwillig engagiert: Verena Gysin mit der angehenden Autismusbegleithündin Freya; Dominik Steiner und Martin Madörin, Mentoring für Jugendliche; Moderatorin Hanna Girard; Thomas Schwarb, Repair Café Binningen-Bottmingen; Peter Kaufmann, Blindenh
Freiwillig engagiert: Verena Gysin mit der angehenden Autismusbegleithündin Freya; Dominik Steiner und Martin Madörin, Mentoring für Jugendliche; Moderatorin Hanna Girard; Thomas Schwarb, Repair Café Binningen-Bottmingen; Peter Kaufmann, Blindenhundeschule Liestal (v. l.).Foto: M. Schaffner

Was bringt Menschen dazu, Freiwilligenarbeit zu leisten? Das Buch «Freiwillig Engagiert» zeigt anhand von zwölf Freiwilligen in der Nordwestschweiz, welches Interesse sie antreibt und was ihnen diese unbezahlte Arbeit zurückgibt. Drei der porträtierten Personen waren an der Buchvernissage von letzter Woche in Liestal zugegen und gaben bereitwillig Auskunft.

Begeistert erzählte Thomas Schwarb vom Repair Café Binningen-Bottmingen, das er mitgegründet hat: «Der ‹Flow›, der für die ganze Gruppe im Saal im Saal entsteht, ist ein Erlebnis, das ich sonst nirgends erlebt habe.» Das Repair Café funktioniert so, dass Leute ihre kaputten Gegenstände bringen und zuschauen, wie technisch versierte Freiwillige sie flicken. 40 bis 45 Reparaturen seien an einem Tag möglich, bei einer Erfolgsquote von über 80 Prozent, «da sind wir ziemlich stolz drauf», meinte Thomas Schwarb. Er gehe immer mit einem positiven Gefühl heim.

Dominik Steiner engagiert sich seit zehn Jahren bei «Mentoring für Jugendliche». Für ihn ist es «absolut faszinierend, Jugendliche von 15 bis 25 aus verschiedenen Nationalitäten zu begleiten», wie er dem Publikum an der Buchvernissage mitteilte. Wenn Jugendliche in einer so wichtigen Lebensphase trotz zahllosen Bewerbungen keine Lehrstelle fänden, nehme ihn das persönlich mit. Im Gespräch stelle sich aber meistens heraus, wo der nötige «Kniff» liege. Etwa, wenn die mit ChatGPT erstellte Bewerbung zwar perfekt sei, aber der Name falsch geschrieben sei. Umgekehrt betonte Dominik Steiner, dass er die Generationen Z und Alpha äusserst interessant finde und dass die Älteren von ihnen lernen könnten. Und die Freude sei gross, wenn es dann mit der Bewerbung klappe: «Wenn die Eltern und Jugendlichen jubeln, dann juble ich zuhause mit!»

Viel Lob und Dankbarkeit

Verena Gysin hat als Freiwillige der Blindenhundeschule Liestal eine Hündin aufgezogen, vom Welpenalter bis zum Ausbildungsalter, das jetzt beginnt. Zwar hat «Freya» den Anforderungstest nicht bestanden, aber das bedeutet einfach, dass sie jetzt nicht als Blindenhündin, sondern als Autismus-Begleithündin ausgebildet wird. Verena Gysin wollte immer schon einen Hund, wie sie an der Buchvernissage erzählte. Sie sei dann an einen Probetag der Blindenhundeschule Liestal gegangen und habe sich entschieden mitzumachen – und auch ihr Mann habe zugesagt «für ein Projekt auf Zeit». Schön sei der Austausch mit anderen Freiwilligen, mit den Instruktoren und Büromitarbeitenden der Blindenhundeschule und mit blinden und sehbehinderten Personen. Sie bekomme viel Dankbarkeit zu spüren und erhalte viel Lob für ihre Arbeit. «Es ist anders, als wenn man für Geld arbeitet, es ist erfüllender», unterstrich Verena Gysin.

Die Journalistin Hanna Girard, die den Anlass moderierte, interviewte auch zwei Personen aus Institutionen, die mit Freiwilligen arbeiten. Peter Kaufmann, CEO der Blindenhundeschule Liestal, beschrieb die mehrschichtige Rolle, die solche Institutionen einnehmen. Die Blindenhundeschule trägt Verantwortung für 20 Angestellte, muss sich aber auch mit Freiwilligen auseinandersetzen. Diese müssten sich bewusst sein, dass es um mehr gehe, als eine schöne Zeit mit einem Hund zu haben: Sie müssten ihn bis ins Erwachsenenalter begleiten, auch durch die «Teenagerjahre» hindurch, und am Schluss komme «sowieso alles anders, als man denkt», und irgendwann komme auch der traurige Tag, an dem man den Hund abgeben müsse.

Es sei wichtig, regelmässigen mit den Freiwilligen in Kontakt zu bleiben und dafür zu sorgen, dass sie fachlich immer auf dem, neusten Stand seien, ergänzte Martin Madörin, der für die Programmleitung bei «Mentoring für Jugendliche» zuständig ist. Was er sich wünschen würde, wären mehr Leute aus dem handwerklichen Bereich – die meisten Freiwilligen hätten einen höheren Bildungsabschluss. Das habe aber mit der Tatsache zu tun, dass Handwerker nach einem Arbeitstag körperlich erschöpfter seien und deshalb vielleicht nicht dieselben Kapazitäten hätten.

Uno-Jahr der Freiwilligen

Das Buch «Freiwillig Engagiert» ist im Christoph Merian Verlag erschienen, Herausgeber sind die Organisationen GGG Benevol in Basel, «benevol Aargau» und «benevol Baselland». Anlass ist das Uno-Jahr der Freiwilligen 2026: Das Ziel sei, die Freiwilligenarbeit in der Region vorzustellen und ein «Zeitdokument» zu erstellen, erklärte Bruno Imsand, Präsident von «benevol Baselland». Leider habe der Dachverband «benevol Schweiz» kein Projekt zum UNO-Jahr der Freiwilligen geplant, deshalb sei er umso dankbarer dafür, dass GGG Benevol die Initiative ergriffen und «benevol Aargau» und «benevol Baselland» zu dem gemeinsamem Projekt eingeladen habe.

Iris Becher, Verantwortliche Lektorat/Herstellung beim Christoph Merian Verlag und Mitautorin der Porträts, erzählte davon, wie das Buch mit einem ambitionierten Zeitplan in wenigen Monaten entstanden ist. Was die Arbeit erleichtert habe, sei die unglaubliche Offenheit der Freiwilligen gewesen: «Die Begeisterung hat sich unmittelbar auf uns übertragen», meinte Iris Becher. Gleichzeitig sei klar, dass es sich um Beispiele handelt, die stellvertretend für die Freiwilligenarbeit stehe, die insgesamt geleistet werde. Klar sei auch, dass sich das Buch auf die formelle Freiwilligenarbeit beschränke, also die informelle Freiwilligenarbeit in der Familie oder Nachbarschaft ausklammere, ebenso den Sportbereich, wo andere Gesetzmässigkeiten gälten.

Mit wenig Zeit viel bewirken

«Oft passiert Freiwilligenarbeit wie selbstverständlich, im Hintergrund, aber ohne sie würde vieles nicht funktionieren», sagte Regierungsrätin Kathrin Schweizer in ihrem Grusswort an der Buchvernissage. Sie werde nicht bezahlt – aber sie sei auch unbezahlbar, «weil sie das Leben von vielen Menschen heute erleichtert und dazu beiträgt, dass es morgen für viele besser wird.»

Oder um es mit den Worten von Dominik Steiner zu sagen: «Man kann mit wenig Zeit viel erreichen. Gerade in unsicheren Zeiten haben Jugendliche Zukunftsängste und sind orientierungslos, und wir können ihnen unsere wertvolle Zeit schenken, damit sie in eine gute Zukunft gehen können.»

benevol-baselland.ch

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