Diamonds Are Forever

Sissach Kammermusik von bleibendem Glanz

Dominic Chamot (Klavier), Eoin Ducrot (Violine) und Elisa Siber (Violoncello) begeisterten das Publikum im Kulturzentrum Cheesmeyer Sissach. Foto: Pier-Giuseppe Cacciatori
Dominic Chamot (Klavier), Eoin Ducrot (Violine) und Elisa Siber (Violoncello) begeisterten das Publikum im Kulturzentrum Cheesmeyer Sissach. Foto: Pier-Giuseppe Cacciatori

«Top Secret Konzertreihe» heisst die neue Produktion von «00-Siber» in Zusammenarbeit mit dem Verein Vitamin M. Die Reihe widmet sich der klassischen Musik und verleiht ihr eine originelle, überraschende Note – zum einen durch die Titel der Konzerte, die jeweils einem James-Bond-Film entlehnt sind, zum anderen durch die aussergewöhnlichen Aufführungsorte: Gespielt wird an verborgenen, eher untypischen Konzertplätzen – ganz im Sinne des «Secret».

Die in Wien geborene Cellistin Elisa Siber, künstlerische Leiterin des Abends, pflegt die Nähe zum Publikum und bevorzugt Konzerte in kleinen, intimen Räumen. Dies zeigte sich auch am letzten Freitag im Kulturzentrum «Cheesmeyer» in Sissach. Rund 30 Besucher/-innen nahmen in dem zum Konzertsaal umfunktionierten Raum Platz. Nach einer kurzen Begrüssung bemerkte Siber, es sei letztlich unerheblich, unter welchen Umständen die Komponisten ihre Werke geschaffen hätten – entscheiden sei, dass diese bis heute erhalten geblieben seien und aufgeführt werden könnten.

Unter dem Titel «Diamonds Are Forever» trugen Elisa Siber (Violoncello), Eoin Ducrot (Violine) und Dominic Chamot (Klavier) zwei der bedeutendsten Klaviertrios der Musikgeschichte vor: Franz Schuberts Trio Nr. 1 in B-Dur, op.99 sowie Maurice Ravels Trio in a-Moll.

Zwischen Melancholie und Hoffnung

In der Fachliteratur ist nachzulesen, dass Schubert sein Trio 1827 komponierte, also im vorletzten Jahr seines Lebens. Es steht damit in unmittelbarer Nähe zu seinen späten Meisterwerken – und das hört man: eine enorme Reife, formale Souveränität und die typisch schubertsche Mischung aus lyrischer Weite und leiser Melancholie. Ursprünglich erschien das Werk 1828 als op. 99, allerdings gekürzt und teilweise vom Verleger bearbeitet. Erst später setzte sich die vollständige Fassung durch, die heute als Standard gilt.

Gleich zu Beginn überzeugte Sibers Violoncello mit seiner gesanglichen Tiefe und einem warmen, erdigen, ausdrucksvollen Klang. Eoin Ducrot strich seine Violine mit grosser Hingabe, Präzision und viel Gefühl – alles Eigenschaften, die restlos in die Musik geflossen waren.

Für die Füsse blieb nur noch die Kombination aus Lackschuh und Adidas Sportsocke. Prioritäten muss man setzen. Dominic Chamot erwies sich am Klavier als sensibler Gestalter, der nicht nur begleitete, sondern das musikalische Geschehen strukturell zusammenhielt und vorantrieb. Besonders das Andante spannte einen eindrücklichen Bogen – eben wie zuvor beschrieben, zwischen Melancholie und Hoffnung. Was für eine wundersame Klangschönheit!

Ravels Trio in a-Moll führte dann in eine ganz andere, farbenreich schillernde Musikwelt. Das 1914 entstandene Werk verlangte von den Interpret/-innen einiges ab: höchste Präzision, rhythmische Schärfe und ein ausgeprägtes Gespür für Klangfarben – Anforderungen, denen das Ensemble gerecht wurde. Im Pantoum-Satz, sozusagen einem virtuosen Scherzo, das auf der Grundlage einer malaiischen Gedichtform basiert, meistern die Musiker/-innen die komplexen rhythmischen Überlagerungen (drei Themen greifen ineinander!) mit spielerischer Leichtigkeit, während der langsame Satz eine fast entrückte Ruhe aussandte.

Das energiegeladene Finale setzte einen glänzenden Schlusspunkt. Das Publikum zeigte sich begeistert. Als Zugabe erklang Charlie Chaplins bezaubernder «Spring Song».

«Diamonds Are Forever» erwies sich so als treffender Titel für einen Abend, der die Beständigkeit grosser Musik feierte – Werke, die Jahrzehnte überdauern und in immer neuen Interpretationen leuchten. In der kleinen neugierigen Atmosphäre der Top-Secret-Konzerte wurde Kammermusik als lebendiger Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart präsentiert. Ein Konzert, dessen Nachklang bleibt – wie ein gut geschliffener Diamant.

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