Ein stimmgewaltiger Auszug aus Ägypten

Gelterkinden Händels Oratorium begeisterte mit Chorwucht und Tiefgang

Ein beeindruckendes Zusammenspiel von Chor und Orchester vor vollbesetzten Rängen in Gelterkinden.

Ein beeindruckendes Zusammenspiel von Chor und Orchester vor vollbesetzten Rängen in Gelterkinden.

Chorleiter Benjamin Rapp und Marco Beltrani. Fotos: E. Bachmann

Chorleiter Benjamin Rapp und Marco Beltrani. Fotos: E. Bachmann

Der Konzertchor Oberbaselbiet führte zusammen mit dem Händelchor Luzern das vielstimmige Meisterwerk «Auszug aus Ägypten» von Georg Friedrich Händel mit grossem Erfolg und Standing Ovations auf. Das englischsprachige Oratorium für Doppelchor (insgesamt 125 Sänger/-innen), Orchester (20 Musiker/-innen) und vier Soli zauberte in der katholischen Kirche Gelterkinden mit wunderbaren Stimmen und einem tollen Orchester vor vollbesetzten Rängen eine wunderbare Sonntag-Abendstimmung hervor.

Eine musikalische, vielstimmige Wucht

Dieses musikalische Werk hat in seiner musikalischen Wucht und thematischen Tiefe bis heute nichts an Aktualität verloren. Im grosszügigen Chorraum wurde eine wunderbare Akustik in gemischter, doppelchöriger Aufstellung erzeugt. Es war eine besondere Leitungsherausforderung für die beiden Chorleiter (Marco Beltrani leitet den seit 50 Jahren bestehenden Konzertchor Oberbaselbiet seit 2013 und Benjamin Rapp den Händelchor Luzern seit 2023 und ist auch einer der Chorleiter des Chors Basel). Ein Heimspiel war es auch für die ehemalige Gemeindepräsidentin von Gelterkinden, Christine Mangold, die eine der Chorstimmen ist.

Das Capriccio Barockorchester (1999 vom künstlerischen Leiter Dominik Kiefer gegründet) zählt zu den renommiertesten Barockorchestern der Schweiz.Der wechselnde Gesang der Solist/-innen (Sopran: Christina Boner, Tenor: Joël Morand, Mezzosopran: Laura Kull und Bariton: Israel Martins) war mit grosser Anmut und Hingabe für Text und Stimme für das Gelingen des grossartigen Werks, geprägt. Die sehr gut ausgebildeten Stimmen passten sehr schön zusammen und gaben dem Ganzen eine wunderbar warme Klangfarbe.

Es war sicht- und hörbar, wie alle Teilnehmenden voll konzentriert, mit Ernsthaftigkeit und doch grosser Freude dabei waren. Eine grandiose Kombination von Musik verschiedenster Instrumente und vielstimmigen Gesang aus so vielen Kehlen, wo jede/r Einzelne den Beitrag zum monumentalen Klang-Puzzle mit höchstem Engagement beitrug. Für die Zuhörenden war es sehr hilfreich, dass das Programmheft den gesungenen Text auch auf Deutsch beinhaltete und die Handlung in der Dramatik zwischen Trauer und Freude so gut mitverfolgt werden konnte.

Es wurde ein künstlerisches Ereignis geboten, das auch ein Beitrag zur Reflexion über Freiheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit sein kann. Gerade in der heutigen Zeit entfaltet es eine neue, berührende Aktualität. Die Themen von Unterdrückung, Flucht und kollektiver Hoffnung sind nicht nur Teil einer religiösen Überlieferung. Die Musik Händels wird zu einem Spiegel unserer Zeit – nicht als Kommentar zu konkreten politischen Ereignissen, sondern als Aufruf zum Dialog und gegenseitigem Mitgefühl.

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