Region Liestal
05.05.2021

Ein Deportations-Schicksal

Algis Familie mit Schwester Dalia, Mutter Ursula und Vater Romas im Buch.
Die Autorin Jurga Vile mit ihrem Vater, dessen Geschichte sie im Buch «Sibiro Haiku» erzählt. Online: Moderator Cedric Lutz, Illustratorin Lina Itagaki, Autorin Jurga Vile, Verlegerin Sonja Matheson (v.l.).Bildschirmfotos: U. Handschin

Algis Familie mit Schwester Dalia, Mutter Ursula und Vater Romas im Buch.

Algis Familie mit Schwester Dalia, Mutter Ursula und Vater Romas im Buch.
Die Autorin Jurga Vile mit ihrem Vater, dessen Geschichte sie im Buch «Sibiro Haiku» erzählt. Online: Moderator Cedric Lutz, Illustratorin Lina Itagaki, Autorin Jurga Vile, Verlegerin Sonja Matheson (v.l.).Bildschirmfotos: U. Handschin

Die Autorin Jurga Vile mit ihrem Vater, dessen Geschichte sie im Buch «Sibiro Haiku» erzählt. Online: Moderator Cedric Lutz, Illustratorin Lina Itagaki, Autorin Jurga Vile, Verlegerin Sonja Matheson (v.l.).Bildschirmfotos: U. Handschin

Liestal Ein Pochen an der Tür veränderte das Leben von Algis und seiner Familie für immer

Von: Ursula Handschin

Einmal mehr ermöglichte die Kantonsbibliothek Liestal 25 Literaturinteressierten online eine Lesung mitzuverfolgen. Diesmal war es ein ganz besonderes Werk, das wohl in allen zugeschalteten Bücherfreunden einen tiefen Eindruck hinterlässt, da es auf einer wahren Geschichte beruht. Jurga Vile beschreibt in der Graphic Novel «Sibiro Haiku» die Geschichte ihres Vaters, der als Knabe mit seiner Familie und unzähligen weiteren Litauern während der sowjetischen Besetzung der baltischen Staaten am 14. Juni 1941 nach Barnaul, West-Sibirien deportiert und für viele Jahre dort gefangen gehalten wurde.

Diese Zeit war von Hunger, Zwangsarbeit für die Erwachsenen und Brutalität der Aufseher geprägt. Etwas Licht brachten trotzdem positiv denkende Menschen wie Tante Petronella, die Lehrerin, die einen Chor gründete und eine menschliche Nachbarin. 1946 gelang es, einen Teil der Kinder in «Waisenzügen» zurück zu bringen in Kinderheime. Die überlebenden Deportierten wurden erst zwischen 1953, nach Stalins Tod, und 1963 entlassen. Der Vater (im separaten Männerlager) und die Mutter von Algis und seiner Schwester Dalia kamen um.

Die Autorin erzählt in bildhafter Sprache aus der Sicht des damals 13-jährigen Knabens Algis, was dem ungewöhnlichen Werk neben der brutalen Realität und Verzweiflung auch Herzenswärme und Menschlichkeit verleiht und es erträglicher macht. Dies kommt auch in der genialen Illustration von Lina Itagaki zum Ausdruck, die eine ähnliche Familiengeschichte erlebt hat. Mit dieser Graphic Novel sind die beiden Frauen für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2021 nominiert.

Der Moderator der Kantonsbibliothek Liestal, Cedric Lutz, bestritt die Online-Lesung zusammen mit Sonja Matheson, Geschäftsleiterin des Verlags Baobab-Books in Basel, der die deutsche Version des Buches herausgab, und Jurga Vile und Lina Itagaki, die aus Litauen zugeschaltet waren mit ihren Beiträgen auf Englisch und Litauisch. Sie betrachten das Buch als wichtigen Beitrag zur Aufklärung der Geschichte für die jetzige und zukünftige Generationen und als Geschenk für den jetzt noch lebenden Vater der Autorin.