Region Liestal
01.10.2019

Die «Buchinsel» kommt in neue Hände

Heidi Jauslin (r.) mit einem Teil ihres Teams. Foto: M. Schaffner

Heidi Jauslin (r.) mit einem Teil ihres Teams. Foto: M. Schaffner

Liestal Vor 23 Jahren haben Heidi Jauslin und André Bösiger eine Kinder- und Jugendbuchhandlung in Liestal eröffnet

Marc Schaffner

Die «Buchinsel» ist seit über zwei Jahrzehnten ein äusserst erfolgreiches und beliebtes Fachgeschäft in der Liestaler Altstadt. Das Besitzer- und Gründerpaar Heidi Jauslin und André Bösiger denkt aber schon eine Weile darüber nach, Ende 2020 in Pension zu gehen. Nun haben die beiden eine ideale Nachfolgelösung gefunden: Die Lüthy-Gruppe aus Solothurn übernimmt den Laden ab nächstem Jahr – inklusive Personal. Auch das breite Sortiment soll erhalten bleiben. «Wir sind wahnsinnig glücklich über diese Lösung», betont Heidi Jauslin.

Schon vor einem Jahr hätten sie in der Branche die Fühler ausgestreckt, aber es sei schwierig gewesen, Interessenten zu finden. Eine weitere Idee sei gewesen, dass zwei Mitarbeiterinnen das Geschäft übernehmen würden. «Das wäre eine schöne Sache gewesen», meint Heidi Jauslin, aber die Bank habe die Finanzierung nicht gesprochen.

Auf die offizielle Ausschreibung im Buchhandelsblatt meldeten sich dann jedoch gleich drei Kaufinteressierte. «Nachdem wir eine Zeitlang wirklich gedacht hatten, wir müssen schliessen, hatten wir den Luxus der Auswahl», schildert Heidi Jauslin. Der Entscheid fiel auf die Lüthy-Gruppe, die in der Deutschschweiz 15 Buchhandlungen an verschiedenen Standorten betreibt. Heidi Jauslin kennt die Solothurner Buchhandlung «schon ewig». Trotz ihrer Grösse sei sie ein familiärer Betrieb geblieben: Sie sei nicht einfach in andere Ortschaften expandiert, sondern habe Buchhandlungen aufgekauft, die vor einem Wechsel gestanden seien, und hätten sie im selben Stil weitergeführt. «Für die Kunden ist es nach wie vor dieselbe Buchhandlung, die sie gekannt haben», stellt Heidi Jauslin fest. Auch in Liestal werde das der Fall sein: «Ich bin überzeugt, dass unsere Diversität bleibt. Von der Breite her wird sich nichts ändern.» Sie rechne mit einem Ausbau bei der Erwachsenenliteratur, etwa bei den Bestsellern, sowie mit betriebswirtschaftlichen Verbesserungen. Der Papeterie-Teil der «Buchinsel» werde beibehalten.

«In ihrem Sinn weiterentwickeln»

«Wir finden, dass Heidi Jauslin etwas Gutes aufgebaut hat, und das wollen wir in ihrem Sinn weiterentwickeln», bestätigt Simone Lüthy von der Lüthy + Stocker AG. Ihrem Unternehmen sei wichtig, dass die Kompetenz vor Ort sei, sowohl was das Sortiment als auch was die Personalführung betreffe. Deshalb werde Heidi Jauslin den Übergangs- prozess begleiten. Laut Simone Lüthy soll die «Buchinsel» weiterhin im Kinder- und Jugendbereich stark bleiben. Sie sieht aber auch Potenzial in anderen Bereichen, etwa bei Sachbüchern. Baulich werde es bereits nächstes Jahr kleinere Anpassungen geben, um den Platz möglichst gut zu nutzen. Eine eigentliche «bauliche Auffrischung» sei aber erst ab dem Folgejahr vorgesehen.

23 Jahre – 3 Lokalitäten

Heidi Jauslin ist ursprünglich Kindergärtnerin, deshalb lag es auf der Hand, dass sie 1996 die «Buchinsel» als spe- zialisierte Kinder- und Jugendbuchhandlung eröffnete. «Ich fand, dass ein Stedtli wie Liestal schon eine Kinderbuchhandlung haben darf», erinnert sie sich. Ausserdem sei damals die Pädagogische Hochschule (ehemals Lehrerseminar) in Liestal ansässig gewesen.

Am Anfang sei es gar nicht so einfach gewesen, sich bei den Verlagen Gehör zu verschaffen. Einige Vertreter hätten die Nase gerümpft ob der Kindergärtnerin, die meinte, einen Buchladen eröffnen zu müssen. «Das änderte sich aber, als sie merkten, dass ich es ernst meinte», erzählt Heidi Jauslin.

Nach etwa sechs Jahren erwies sich das erste Ladenlokal in der Kanonengasse als zu eng, um alle Kundenwünsche abzudecken. Die «Buchinsel» zügelte deshalb an den Zeughausplatz, wo zwei Räume zur Verfügung standen. Aber auch in diesem Lokal stiess die «Buchinsel», wieder nach etwa sechs Jahren, an ihre Grenzen. «Wenn man mit der Dynamik der Kundschaft geht, und das ist das einzig Sinnvolle, dann reicht irgendwann der Platz nicht mehr in einem kleinen Laden.»

Als Jauslin und Bösiger vernahmen, dass die alteingesessene Papeterie Landschäftler Liestal verlassen und sich auf den Standort Gelterkinden konzentrieren will, ergriffen sie die Chance und zogen in die Liegenschaft an der Rathausstrasse 8 ein. Gleichzeitig übernahmen sie das Papeteriegeschäft: für den «Landschäftler» ein Wunsch, für die «Buchinsel» ein Versuch. Im Nach-hinein habe sich der Versuch als weise erwiesen, sagt Heidi Jauslin. Die Kundschaft verteile sich heute praktisch zu gleichen Teilen auf die Bereiche Buch und Papeterie.

Buchhandlungen haben Zukunft

Im Buchgeschäft lag der Schwerpunkt anfangs immer noch bei den Kinder- und Jugendbüchern. Eine Konkurrenzsituation zwischen den anderen, zum Teil ebenfalls spezialisierten Buchhandlungen in Liestal gab es nicht. «Als dann die Horrornachricht kam, dass die Buchhandlung und Papeterie Lüdin geschlossen wird, waren wir geschockt», berichtet Heidi Jauslin. Die «Buchinsel» beschloss, in die Bresche zu springen und ihr Sortiment zu erweitern, damit die Lüdin-Kundschaft weiterhin in Liestal einkaufen kann. Zusammen mit Lüdin-Mitarbeiterinnen wurden Erwachsenenbücher eingeführt und die Papeterieartikel für den Kinder- und Schulbedarf optimiert.

Heute zählt die «Buchinsel» zehn Mitarbeiterinnen, die sich rund sechs Vollzeitstellen teilen. Darunter sind gelernte Buchhändlerinnen und Papeteristinnen sowie eine Bibliothekarin. Letztere hilft Schulbibliotheken beim Einkauf und bei der Erfassung ins Bibliothekssystem. Der tollste Moment sei, so Jauslin, wenn Schulkinder mit ihrer Lehre- rin kämen, in den Büchern wühlten und dann eines für ihre Schulbibliothek fänden.

Heidi Jauslin ist überzeugt, dass Buchhandlungen trotz dem wachsenden Onlinehandel eine Zukunft haben. Der eigene Onlineshop der «Buchinsel» werde zwar rege genutzt, aber in den meisten Fällen würden die Kundinnen und Kunden das Buch selber abholen: «Sie schätzen das Einkaufserlebnis und den Kontakt.»

Bis zur Pension bleiben Heidi Jauslin noch ein Jahr und knapp drei Monate, in denen sie sich weiterhin engagiert um ihre Kundinnen und Kunden kümmern wird.