Die Welt badete einst im Baselbiet
Ausstellung «Badekuren im Entdeckerland. Zur Geschichte des Fremdenverkehrs zwischen Jura und Rhein»
«Baselland ist keine klassische Tourismusregion», sagte noch im Jahr 2000 der damalige Regierungsrat Erich Straumann. Vieles hat sich seither geändert. Die Dachorganisation Baselland Tourismus hat sich stetig professionalisiert, was sich unter anderem in der steigenden Zahl der Logiernächte ausdrückt. Und zunehmend rückt ins Bewusstsein, dass das Baselbiet eben doch immer schon eine Tourismusdestination war. Die aktuelle Sonderausstellung im DISTL («Dichter:innen- und Stadtmuseum Liestal») beleuchtet die «Geschichte des Fremdenverkehrs zwischen Jura und Rhein» und schlägt eine Brücke zwischen früher und heute, indem sie den Marketing-Claim von Baselland Tourismus – «Entdeckerland» – in den Ausstellungstitel aufnimmt.
Kuratiert hat sie ein ausgesprochener Kenner der Materie: Dominik Wunderlin, unter anderem Präsident der Gesellschaft für Regionale Kulturgeschichte, (Wander-)Buchautor und ehemaliger Vizedirektor des Museums für Kulturen. Ein Grossteil der Ausstellungsobjekte stammt aus seiner privaten Sammlung. An der Vernissage vom vergangenen Freitag liess er die touristische Blütezeit im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts mit einigen Anekdoten aufleben.
Bad Ramsach, Bad Eptingen, Bad Schauenburg, diese Orte sind heute noch ein Begriff. Der Bädertourismus zog Gäste aus Paris, Hamburg oder St. Petersburg an, aus dem Elsass und Südbaden oder der Deutschschweiz. In Inseraten priesen die Kurhäuser und Pensionen ihre Kräuter- und Solbäder an – wer jetzt an grosse Pools denkt, liegt falsch, damals wurde in Wannen gebadet. Ein historisches Modell liess das DISTL aus dem deutschen Bad Bellingen nach Liestal schaffen, laut Museumsleiter Stefan Hess sei es eine abenteuerliche Geschichte gewesen, das Objekt über den Zoll zu bringen.
Zum Bade-Angebot gehörte auch Schröpfen und Aderlass, daneben konnten die Kurgäste mit weiteren Annehmlichkeiten wie einem Tennisplatz, einer Bibliothek, einem Billard- oder Musikzimmer rechnen. Manche kamen, um sich für die Weiterreise in südlichere Länder zu akklimatisieren, manche fühlten sich von Fusswanderungen und «Touren mit dem Zweirad» angesprochen. Punkten konnte das Baselbiet als «Paradies für sanften Tourismus», wie Dominik Wunderlin ausführte, durch seine hügelige und meist nebelfreie Lage, das milde Klima und die saubere Luft.
Publikationen und Werbemittel wie Postkarten, Plakate oder Reiseberichte spielten damals eine wichtige Rolle und dienten nicht nur zur Information, sondern auch zur Unterhaltung. Die Druckerei Lüdin in Liestal gab von 1893 bis 1919 sogar eine gedruckte «Fremdenliste» heraus. «Datenschutz war damals ein Fremdwort», meinte Dominik Wunderlin.
Die Ausstellung geht zudem auf den Wintertourismus ein, etwa mit Langenbruck, dem «Baselbieter Davos», wie die «Basler Nachrichten» 1896 titelten, oder dem Wasserfallengebiet, das mit der Gondel erschlossen wurde. Auch die Geschichte des Aussichtsturms von Liestal wird erzählt, ausserdem gibt es einen Baselbiet-Film von der «Expo 64» zu sehen sowie eine Fülle von Dokumenten, vom Aquarell von 1810, das Peter Merian auf einer Bildungs-Wanderung zeigt, bis zu einer Abrechnung des Liestaler «Hôtel du Faucon» (heute «Falken»), auf dem nebst Pension, Brennholz und Beleuchtung für 31 Tage auch «31 Cafés» vermerkt sind.
Badekuren im Entdeckerland. Zur Geschichte des Fremdenverkehrs zwischen Jura und Rhein. Bis 3. Januar 2027. Kuratorenführung am 22. März, Vortrag «Liestal als Kurort» am 17. April, Vortrag «Nächster Halt: Liestal!» am 12. Juni. Weitere Infos: distl.ch








