Eine Grossbaustelle im Dorfzentrum
Lupsingen Seit drei Monaten wird am ehemaligen Schulhaus gebaut und saniert
Seit Mitte Juli ist das ehemalige Lupsinger Schulhaus respektive bis vor drei Monaten der Sitz der Gemeindeverwaltung eine Baustelle. Die Sanierungs- und Umbauarbeiten am Gebäude, eingepackt in Gerüste und Planen, schreiten planmässig voran. Durch die Einwohnergemeinde werden dabei 1,34 Millionen Franken investiert. Gemäss Architekt Roger Kipfer soll die zurzeit im ehemaligen Pfarrhaus untergebrachte Gemeindeverwaltung Ende März 2027 an ihren angestammten Ort zurückkehren.
Die bisherige Bezeichnung «Gemeindeverwaltung» wird künftig Geschichte sein. Ab Frühjahr trage, so Verwaltungsleiter Thomas Hamann, das Gebäude den Namen Gemeindehaus. «Damit wollen wir es stärker für die Bevölkerung öffnen. Der Umbau wird das Haus in einen Verwaltungsbereich, den Bereich des Gemeinderats sowie einen öffentlich nutzbaren Teil für Kommissionen, Vereine und die Bevölkerung gliedern», kommentiert Hamann weiter.
Echter Mehrwert
Er legt zudem explizit Wert auf die Feststellung, dass es dem Gemeinderat wichtig war, neben zeitgemässen Arbeitsplätzen und einer modernen digitalen Infrastruktur auch die Schaffung von Räumen mit einem echten Mehrwert für die Bevölkerung, beispielsweise für vertrauliche Gespräche, anzubieten. Letztlich erwähnt Hamann, dass es das erklärte Ziel der Gemeinde war, ein offenes, flexibles und zukunftsfähiges Gemeindehaus zu schaffen, das den Bedürfnissen der Bevölkerung ebenso gerechte wird wie jenen der Mitarbeiterinnen.
Behindertengerecht
Am alten Schulhaus im Zentrum von Lupsingen, das 1822 erbaut wurde und das in den vergangenen Jahrzehnten Standort der Gemeindeverwaltung war, wird aktuell intensiv gearbeitet. Mit dem durch die Gemeindeversammlung im vergangenen Dezember 2025 genehmigten Investitionskredit in der Höhe von 1,34 Millionen Franken wird bis im März 2027 ein Bau entstehen, welcher auch alle Auflagen des Behindertengleichstellungsgesetzes erfüllt, so etwa durch den Einbau einer Liftanlage, eines Treppenlifts im Eingangsbereich oder automatische Türöffnungen. Der barrierefreie Zugang zu den kommunalen Dienstleistungen wird garantiert sein.
Architekt Roger Kipfer sagte im Gespräch mit der ObZ, dass am ambitionierten Leuchtturmprojekt in Herzen von Lupsingen bislang alles gut verlaufen sei. «Wir wurden nur mit wenigen Überraschungen konfrontiert, etwa durch verborgene Stahlträger, fehlende Betonböden im Erdgeschoss, wo Holzböden direkt auf der Erde gelegen haben».
Anspruchsvoll
Die Arbeiten sind anspruchsvoll. Vieles muss neu gestaltet respektive gebaut werden. So müssen an der Fassade, am Dach, in den Innenräumen (mit unterschiedlichen Niveaus der Böden) oder an der Kanalisation umfangreiche Sanierungen beziehungsweise Neubauten vorgenommen werden. Neu erstellt werden auch die Elektroinstallationen, die Haustechnik, die sanitären Anlagen, und von aussen am Ende des Tages gut sichtbar, der Eingang zum Gebäude. Kipfer sagte zudem, dass das Gebäude ein vollständig neues Dach erhalten werde. Dieses werde gedämmt und mit einem Unterdach versehen werden. Wiederverwendet werden dort die alten Ziegel, die sorgfältig abgetragen und dieser Tage am Dach wieder befestigt wurden. Der neue Eingang zum Gemeindehaus wird dort sein, wo bis in die die 1960er-Jahre regelmässig die «Gemeinde Mosti» durch die damalige Milchgenossenschaft betrieben wurde.
Über 200 Jahre alt
Das vor 204 Jahren erstellte Gebäude enthielt ursprünglich eine Lehrerwohnung und eine Schulstube. Das zweigeschossige Haus wurde seit dem Bau 1822 vielseitig genutzt, unter anderem als Hauswartwohnung, Schul- und Turnraum, als Austragungsrot für Gemeindeversammlungen oder in jüngerer Vergangenheit als Treffpunkt für Spiel- und Krabbelgruppen sowie für Gemeinderats- und Verwaltungszwecke. Die Glocke im Dachreiter stammt von 1826 und enthält unter anderem den Namen des damaligen Ziefner Pfarrers Johannes Linder, der als Initiator des Schulhausbaus und «eifriger Förderer des Schulwesens» auf der alten Landschaft Basel galt. Linder anderseits war auch der führende Kopf des Widerstandes gegen die Trennung des Kantons Basel, speziell im Reigoldswilertal. Wegen seiner stadttreuen Haltung musste er am 4. August 1833 Ziefen fluchtartig verlassen. Das Pfarrhaus wurde in jener hitzigen Revolutionszeit zerstört.














