Verbunden mit Musikschaffenden und Publikum

Liestal Vor 25 Jahren haben Esther und Werner Leupin die «Kulturscheune» ins Leben gerufen

Esther und Werner Leupin auf der Kulturscheune-Bühne.Foto: M. Schaffner
Esther und Werner Leupin auf der Kulturscheune-Bühne. Foto: M. Schaffner

Esther und Werner Leupin haben in den vergangenen 25 Jahren Tausende von Stunden für die «Kulturscheune» aufgewendet. Rund 750 Konzerte und 15 Ausstellungen haben sie in dem historischen Gebäude an der Kasernenstrasse in Liestal veranstaltet, das Werner Leupin während der Konzertsaison als sein «Wohnzimmer» bezeichnet. Denn es ist ja nicht nur die Präsenz an den Konzerten, die nötig ist, sondern das ganze Drumherum. Die Kommunikation mit den Musiker/-innen beispielsweise. Täglich bewerben sich Bands für einen Auftritt in der Kulturscheune – zum Beweis zeigt Werner Leupin den Posteingang seines Smartphones, der sich an diesem frühen Nachmittag bereits mit Anfragen gefüllt hat.

Und nach den Konzerten, noch bevor es ans Aufräumen geht, wird bei einem kleinen «Plättli» noch zusammengesessen, manchmal bis in die frühen Morgenstunden. «Das ist schweizweit bekannt», sagt Werner Leupin. Die Verbindung mit den Musikern auf menschlicher Ebene sei etwas Besonderes und glücklich machend.

«Als Ehepaar ist es natürlich toll, so etwas zu realisieren», fährt Werner Leupin fort, «ohne Esthi wäre das Kulturscheune-Projekt nicht möglich gewesen.» Seit dem Corona-Jahr hat sich Esther Leupin zwar aus dem Betrieb zurückgezogen. Früher, vor allem, als Werner Leupin noch am Gymnasium Liestal unterrichtete, war sie unter anderem für «das Kaufmännische», für die Bar und die Küche verantwortlich. «Ich dachte, es ist wie ein Job, einfach ohne Lohn, aber es war ja selbst gewählt und wir haben es immer gern gemacht», sagt Esther Leupin.

Bis etwa 2004 war sie zudem stark in der Kleingalerie «Kunstkeller» an der Kanonengasse engagiert, den sie zusammen mit ihrem Mann neun Jahre lang führte. Im Jahr 1999 gab Andreas Rüegg von Otto Partner Architekten den Hinweis, dass am Rande eines Areals mit neuen Wohnbauten eine Scheune aus dem Jahr 1852 leer steht, die nicht abgerissen werden darf und die sich als zum Beispiel als Kulturlokal eignen würde. Aus zehn Bewerbenden erhielten sie den Zuschlag und dank eines elterlichen Zustupfs konnten sie ihr neues Projekt in Angriff nehmen.

Im Jahr 2000 renovierten sie die Scheune, die bisher unter anderem als Showroom der Firma Paul Holinger Natursteine gedient hatte. Der Marmorboden bei der Bar erinnert noch daran, wie auch ein kleines Sichtfenster im Boden, in dem einst die erste Bodenheizung von Liestal präsentiert wurde, damals noch mit Kupferrohren. Die gestaffelten Zwischenböden – die aus heutiger Sicht zweifellos zum Charme des Konzertlokals beitragen – behielten sie bei, mussten aber einen Notausgang einbauen. Auf dem abgerissenen, obersten Boden mussten «30 bis 40 Zentimeter Taubendreck und Taubenskelette» entfernt werden, erinnert sich Werner Leupin.

2001 begannen die beiden mit Ausstellungen in der Kulturscheune, 2002 dann mit Konzerten. Nach den ersten erfolgreichen Betriebsjahren bemühten sie sich auch um Subventionen, so wird das Projekt heute vom Kanton und der Stadt unterstützt.

300 Gönner/-innen tragen mit

Einen wesentlichen Teil trägt zudem der Gönnerverein der Kulturscheune bei, der vor 20 Jahren auf Anregung von Edy Riesen gegründet wurde. Die rund 300 Personen seien mit der Kulturscheune verbunden und würden sich zum Teil auch untereinander kennen, erzählt Esther Leupin. «Wenn wir beim Gönnerapéro zusammenkommen, ist das jeweils sehr schön.» Aus dem weiteren freundschaftlichen und teils auch familiären Umfeld rekrutieren sich ausserdem Helfer/-innen, die nach Bedarf einspringen.

Alter Traum – neue Kooperationen

Für Werner Leupin sind die letzten 25 Jahre schneller vorbeigegangen, als er gedacht hätte, resümiert er. Mit der Kulturscheune erfüllte er sich damals einen langjährigen Traum: Als er in den 80er-Jahren in Südkalifornien lebte und arbeitete, besuchte er dort oft ein «Old Time Café», in dem immer wieder Musiker auftraten und das auch von einem Ehepaar geführt wurde. «So etwas wollte ich auch einmal machen.»

Zusätzlich zum eigenen Programm bietet die Kulturscheune auch Platz für die «Baselbieter Konzerte» oder das Ensemble «ApérOHR» und ist an anderen Orten selber «zu Gast», etwa beim «Jurtensommer» der katholischen Kirche Liestal, in der Oberen Mühle in Oltingen oder neu im Hof Ullmatt in Lauwil. Ausserdem veranstaltet die Kulturscheune das «Hear&Now Musikfestival Liestal» mit, ist an weiteren Kooperationen beteiligt und arbeitet mit den anderen Kulturschaffenden im Verein Liestal Kultur zusammen.

Jubiläumskonzerte: 31. Oktober, Vokalensemble «famm»; 1. November, Stewy von Wattenwyl und Alex Hendriksen (Kulturpreisträger Baselland Sparte Musik 2026)

Weitere Infos: kulturscheune.ch

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