Sie verschönert stimmlich die Welt

Stimmen zu Gast Regula Mühlemann und Tatiana Korsunskaya  

Die Pianistin Tatiana Korsunskaya verbindet eine langjährige Zusammenarbeit mit der Sopranistin Regula Mühlemann  Fotos: Pier-Giuseppe Cacciatori

Die Pianistin Tatiana Korsunskaya verbindet eine langjährige Zusammenarbeit mit der Sopranistin Regula Mühlemann Fotos: Pier-Giuseppe Cacciatori

Sopranistin Regula Mühlemann verzauberte das Publikum in der Stadtkirche Liestal mit ihrer glockenreinen Stimme.

Sopranistin Regula Mühlemann verzauberte das Publikum in der Stadtkirche Liestal mit ihrer glockenreinen Stimme.

Im Rahmen der Konzertreihe «Stimmen zu Gast» lockte der Liederabend vor einer Woche mit der Opernsängerin Regula Mühlemann aus Luzern und der russischen Pianistin Tatiana Korsunskaya ein grosses Publikum in die spätgotische Stadtkirche St. Martin nach Liestal. Das Programm stand unter dem Namen «As Birds Do Love in Spring»

Der braune Flügel platziert auf einem Teppich vor dem Chorraum.

Gespannt sitzen die vielen Musikfreunde – und Freundinnen in den Kirchenbänken und können den Auftritt der beiden Künstlerinnen, denen es an Auszeichnungen nicht fehlt, kaum erwarten.

Kurz nach acht Uhr betreten die Musikerinnen das Podium. Atemberaubend ist nicht einmal annähernd die Beschreibung des Auftritts von Regula Mühlemann. Es ist die Gesamtfaszination, die von der Sängerin ausgeht: Ihre natürliche Schönheit mit dem lieblichen Lächeln und den strahlenden Augen, das feuerrote Oberteil, der schwarze Rock bestickt mit Rosen – das Publikum ist hingerissen, der Begrüssungsapplaus riesig.

Mit der Leichtigkeit eines Vogels und makelloser Intonation widmet sich Mühlemann zu Beginn den Kompositionen Franz Schuberts (1797–1828). Sie singt fast schon mit kindlichem Charme die von ihm vertonten Gedichte wie Viola (Franz von Schober), die Gebüsche (Friedrich von Schlegel) und der Musensohn (Wolfgang von Goethe). Die Ausdruckswelt in den Gesängen liegt in den beiden ersten Teilen des Abends in der Romantik, in den letzten zwei Teilen eher im 20. Jahrhundert.

Die Lieder erzählen von Blumen, die sich mit dem Frühling vermählen und von Schneeglöcklein, die den Tag einläuten. Dabei erstaunt es nicht, dass Ernst Kreidolfs «Blumenmärchen» in Erinnerung treten. Im gleichen Stil gibt Mühlemann die Mädchenblumen op. 22 wieder – vier Lieder für Singstimme und Klavier nach Gedichten von Felix Dahn. Richard Strauss (1864–1949) hat sie 23-jährig musikalisch umgesetzt. Manchmal ist es, als wäre Mühlemann mit ihrer Gesangskunst von einem anderen Stern. Genauso wird sie von Tatiana Korsunskaya, einer ausserordentlichen Pianistin mit mehr als nur Professionalität begleitet und in höhere Sphären getragen. Ihr filigranes perlendes Spiel hört sich an wie ein klares Bergbächlein, verzaubert genauso wie das Talent der Sopranistin.

Nach diesem wunderbar vorgetragenen Reigen von Blumenliedern wären Momente Beifall loser Stille pures Glück gewesen … Immerhin macht Riccardo Bovino, künstlerischer Leiter von «Stimmen zu Gast» nach der Pause das Publikum darauf aufmerksam, dass nicht nach jeder Darbietung geklatscht werden sollte.

Mit einer Reihe selten gehörter Lieder wie etwa die «Six Elizabethan Songs» des amerikanischen Komponisten Dominick Argento (1927–2019) und der kunstvollen Verarbeitung von Frank Bridge’s (1841–1941) vertontem Gedicht wie «Goldenhair» von James Joyce, entführen die Künstlerinnen in ein frohes und munteres Vogel-Wunderland in englischer Sprache. Die Meistersopranistin verschönert stimmlich die Welt, sie singt wie eine Nachtigall, ihre Stimme scheint keine Grenzen zu kennen. Ihr Auftritt hat nichts Künstliches an sich, sie ist authentisch, sich selbst.

Mit diesem frühlingsleichten Liederabend wird Regula Mühlemann Mitte Mai das mit Spannung erwartete Debüt in der Carnegie Hall geben.

Im Hinblick darauf nimmt sie die geforderte Zugabe als Prüfung, wartete mit drei kurzen Arien auf und kürte den ganzen Saal zur Grossjury und fragte dabei keck: «Mögeter no?» Das Publikum ist verzückt und dankt mit stehendem Beifall und Bravo-Rufen.

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