Was es braucht, um Pfarrer zu werden

Ziefen Zum St.-Blasius-Tag befasste sich die Kirchgemeinde mit Pfarrwahlen «von der Reformation bis heute»

Der neue Ziefner Pfarrer Hansueli Meier erzählte, wie ihn sein jahrelanger Aufenthalt in Bolivien geprägt hat. Auf der Leinwand ein Blick auf die Millionenstadt La Paz.

Der neue Ziefner Pfarrer Hansueli Meier erzählte, wie ihn sein jahrelanger Aufenthalt in Bolivien geprägt hat. Auf der Leinwand ein Blick auf die Millionenstadt La Paz.

Rémy Suter schilderte mit viel Witz, welchen «Bildungsrucksack» sich die Ziefner Pfarrer in vergangenen Zeiten aneignen mussten und welchen Hierarchien sie unterstellt waren. Fotos: M. Schaffner

Rémy Suter schilderte mit viel Witz, welchen «Bildungsrucksack» sich die Ziefner Pfarrer in vergangenen Zeiten aneignen mussten und welchen Hierarchien sie unterstellt waren. Fotos: M. Schaffner

Wer im Jahr 1597 im Baselbiet Pfarrer werden wollte, musste vor allem gut auswendig lernen können. Ein simples «Ja» genügte nicht im Frage-Prozedere der Basler Ratsherren und Theologieprofessoren. Da wurde schon mehr erwartet: «Ja ich glaubs one falsch und zweiffel meines Hertzens und folge dem Göttlichen beruff», lautete die korrekte Antwort. Ausserdem durften die Anwärter keine «Weinsäuffer» sein und keine «unehrliche Handthierung» treiben, was auch immer das geheisst haben mag.

Die reformierte Kirchgemeinde Ziefen-Lupsingen-Arboldswil lädt seit einigen Jahren am «Bläsitag» (St.-Blasius-Tag) in die Kirche St. Blasius in Ziefen zu einem besonderen Anlass ein. Diesmal war das Thema «Von Pfarrwahlen und Inpflichtnahme der Diener am Wort Gottes von der Reformation bis heute» und das hatte einen speziellen Grund: Im Verlauf des Abend präsentierte sich der neu gewählte Pfarrer Hansueli Meier den Anwesenden.

Diese waren zahlreich zum «Bläsitag» erschienen. «Das Interesse ist da, das freut mich», sagte Historiker Rémy Suter, der den ersten Teil des Abends bestritt. Er warf einen humorvollen Blick zurück in die lange Liste von Pfarrpersonen, die in Ziefen gepredigt hatten. In vorreformatorischer Zeit waren das Leute wie Ulrich Mulenhart oder Johannes Cuntzli, die ihre Ausbildung an einer Klosterschule oder an der Domschule am Münsterplatz in Basel absolviert hatten. Bibelkenntnisse waren nicht sonderlich gefragt, umso mehr aber die Liturgik, also wie eine Messe abläuft oder, in der Worten von Rémy Suter: «Zu welchem Zeitpunkt rezitiere ich jahrein, jahraus welches Sprüchlein?» Einige der altgläubischen Priester hatten übrigens Frau und Kinder. Das war zwar nach den Vorgaben von Rom unmöglich, aber dem konnte mit einem tiefen Griff ins Portemonnaie abgeholfen werden.

Mit der Reformation änderte sich alles – jetzt wurde der Gemeinde das Evangelium auf Deutsch näher gebracht, ausserdem war inzwischen die Universität Basel gegründet worden, womit die Ausbildung zunehmend anspruchsvoller wurde.

Auch die Organisation des Kirchenwesens modernisierte sich ständig. Im Fall der Kirche St. Blasius war es so, dass sie in wechselndem Besitz von Adelsgeschlechtern und später von Privatfamilien war. Der Rat der Stadt Basel, der bis zur Schaffung der Baselbieter Staatskirche zuoberst in der Hierarchie stand, schickte zeitweise auch Basler Pfarrer nach Ziefen. Erst ab 1833 wurden die Baselbieter Kirchgemeinden und ihre Pfarrer relativ autonom. Bis zum Baselbieter Kirchengesetz, zur Kirchenverfassung und -ordnung sollten jedoch noch weitere rund 120 Jahre vergehen.

Verschiedene Weisen, den Glauben zu leben

Im zweiten Teil des Abends berichtete Pfarrer Hansueli Meier, der in Liestal aufgewachsen ist, von seinen langjährigen Erfahrungen in Bolivien und wie sie ihn geprägt haben. Seine bolivianische Frau ist leider vor zwölf Jahren verstorben, aber mit seiner Tochter besucht er das Land regelmässig. Zu Beginn seiner Zeit in Bolivien arbeitete er mit Kindern und Frauen, unterrichtete Kirchengeschichte an einer Hochschule und arbeitete während den letzten drei Jahren in einer Kirche als Studienleiter.

In der Millionenstadt La Paz träfen die indigene Welt und die westliche Welt zusammen, berichtete Hansueli Meier. Am Beispiel seiner Schwiegergrossmutter – offenbar eine eindrückliche Persönlichkeit – zeigte er, wie verschiedene Traditionen und Weltsichten nebeneinander existieren können. Sie sei methodistisch gewesen, habe aber die indigenen Rituale gelebt und bei der Beerdigung ihres Mannes eine katholische Totenmesse lesen lassen. «Obwohl wir so unterschiedliche Lebenshintergründe hatten und aus ganz unterschiedlichen Kulturen kamen, konnten wir voneinander lernen, Respekt haben und Herzlichkeit spüren», so Hansueli Meier. Die indigene Kultur sage, dass man auch Sachen, die nicht zusammenpassen, nebeneinander stehen lassen könne und dass verschiedene Weisen, den Glauben zu leben, nebeneinander Platz haben könnten. «Auf eine Art war das eine schöne Erfahrung», so Hansueli Meier.

Eine Glaubensvariante, die ihm in La Paz begegnete, sei ihm jedoch völlig fremd geblieben: die sogenannten «charismatischen Prediger», die in den Gottesdiensten eine regelrechte Show abziehen. So etwas dürfe man von ihm in der Kirche St. Blasius nicht erwarten, meinte Hansueli Meier schmunzelnd.

Am 1. April 2026 wird er in Ziefen als Pfarrer anfangen, inklusive der «Inpflichtnahme», womit der Bogen zum historischen Thema des «Bläsitags» geschlagen ist. Hansueli Meier ist übrigens auch nicht einer, der sich mit einem simplen «Ja» begnügt. «Ich freue mich sehr, gemeinsam auf verschiedenen Glaubenswegen mit Ihnen unterwegs zu sein», sagte der wortgewandte Theologe zum Abschluss seines Referats.

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