Wenn Träume zu tanzen beginnen

Liestal Neues Orchester Basel

Lili Szutor. Foto: T. Brunnschweiler
Lili Szutor. Foto: T. Brunnschweiler

Dirigent Christian Knüsel präsentierte am Samstag beim Konzert «Tanz & Träume» einen bunten Strauss an Musikstücken, die von der Antike bis fast in die Gegenwart reichten. In Bezug auf Spielfreude, Drive, Präzision und Homogenität liess das 60-köpfige Neue Orchester Basel keine Wünsche offen; das lag auch am klaren und energischen Dirigat von Knüsel. Er eröffnete den Abend mit «Der Tod zu Basel», einer Melodie von 1550, gefolgt von einem Arrangement des Seikilos-Lieds aus dem 1. Jahrhundert nach Christus, das mit Harfe und Perkussion begann. Knüsels musikhistorischen Kommentare wirken jeweils wohltuend und nie belehrend.

«Sinfonische Tänze» op.45 war das letzte Werk des Spätromantikers Sergej Rachmaninow. Etwas irritierend war der wohl platzbedingte Einsatz eines E-Pianos. Der erste Tanz entfaltet sich rhythmisch markant, wirkt ironisch bis grotesk und enthält ein melancholisches Alt-Saxophon-Solo. Hier mischen sich vitale Energie und nostalgische Rückschau. Der zweite Tanz startet mit schattenhaften Fanfaren. Es ist ein unheimlicher, beinahe verzerrter Walzer, der geisterhaft vorbeihuscht und auch schon als «Totentanz-Walzer» interpretiert wurde. Im dritten Tanz kämpfen zwei Hauptthemen gegeneinander: das «Dies irae»-Motiv und das «Alleluja»-Motiv. Im Streit zwischen dunklen und strahlenden Passagen obsiegt am Ende die Erlösung. Das kraftvolle Stück ist eine eindrückliche künstlerische Lebensbilanz des grossen romantischen Epikers.

Fagottvirtuosin begeistertdas Publikum

Nach der Pause erklang das Überraschungswerk, das jedoch wider Erwarten nicht Brahms’ Ungarischer Tanz Nr. 5 war, sondern der Original-Csárdás «Bártfai emlék» von Béla Kéler von 1858. Mit Lili Szutor trat eine hochkarätige Fagottistin nach vorn und intonierte das lyrische Andante des «Andante e Rondo Ungarese» von Carl Maria von Weber. Szutor spielte mit warmem, rundem Ton, präziser Artikulation und gesanglichem Gestus. Im Rondo brillierte sie in den virtuosen Solopassagen und wurde vom Applaus nochmals zweimal nach vorne gebeten. Es folgten vier dreiteilige Sets mit unterschiedlichen Tanzrhythmen und -traditionen. Der wilde, sinnliche Fandango von Amadeo Vives wurde nahtlos mit dem «Notturno» aus «Der Sommernachtstraum» von Felix Mendelssohn Bartholdy und der «Danza del molinero» von Manuel de Falla verknüpft.

Von Jazz bis Klezmer

Gelungen war auch die Verbindung von Tschaikowskis «Der Nussknacker» und Duke Ellingtons Jazz-Version «The Nutcracker Suite», bei der das NOB einen veritablen Big-Band-Sound hinlegte. Das dritte Set begann mit «Zorba’s Dance» von Mikis Theodorakis, arrangiert von Pavlos Serassis, der im Klezmer-Stück «Let’s be happy» den Part der Solo-Klarinette übernahm und mit Glissandi und seufzenden Verzierungen brilliert. Im letzten Set erklangen die «Tarantella» von Ottorino Respighi, Georges Bizets liebliches «Intermezzo» aus der Carmen Suite No.1 sowie der wilde synkopierte und fordernde «Mambo» aus Leonard Bernsteins West Side Story. Starker Applaus. Nach der Zugabe eines Greyerzer Tanzes begab man sich zum Apéro im Martinshof.

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