Region Waldenburg
12.02.2020

Klimawandel gibt zu reden

Radolf von Salis, Physiker (l.) und Gastgeber Pfarrer Hanspeter Schürch. Foto: E. Gysin

Radolf von Salis, Physiker (l.) und Gastgeber Pfarrer Hanspeter Schürch. Foto: E. Gysin

Waldenburg Die Tischreden im neuen Leuen-Saal zogen 60 Interessierte an

Von: Edi Gysin

Es war ein Naturwissenschaftler, der zu Beginn die Fakten sortierte und eine Auslegeordnung machte. Radolf von Salis, pensionierter Physiker und Mathematiker fiel diese Aufgabe zu, er hat Erfahrung darin, war er doch beruflich als Gymnasial- und Fachhochschullehrer unterwegs. Er beleuchtete das Wesen der Phänomene, die das Klima beeinflussen und seit je her Wirkungen entfalten, die den Planeten seit seiner Entstehung prägen.

Zu den Wegmarken in der Klimageschichte gehören unzählige Ereignisse, die gravierende Auswirkungen hatten. Sei es etwa jener Meteoriteneinschlag, der die Dinosaurier auslöschte, um bloss eines zu nennen. Aus jener Zeit stehen uns keine Daten zur Verfügung, wir sind auf Forschungsergebnisse angewiesen, wollen wir verstehen, was geschah. Exakte, systematisch aufgezeichnete Daten liegen erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts vor, also etwa am Beginn der Industrialisierung. Es war auch der Beginn der Epoche, als fossile Brennstoffe die Wirtschaft buchstäblich befeuerten. Damals setzte auch die Freisetzung von Kohlendioxid in die Erdatmosphäre ein. Das führte zur Erhöhung der Konzentration des Gases und damit einhergehend zu einer Erhöhung der Temperatur auf der Erde. Eine der Folgen davon ist, dass seither die Hälfte des Nordpoleises weggeschmolzen ist.

Der Treibhauseffekt

Die Zunahme von Kohlendioxid und weiteren ähnlich wirkenden Gasen bewirkt eine Erhöhung der Temperatur. Für die von der Sonne ankommende kurzwellige Strahlung ist die Atmosphäre weitgehend transparent und lässt sie durch, für die von der Erdoberfläche emittierte langwellige Infrarotstrahlung ist sie hingegen wenig transparent, diese Wärme bleibt uns erhalten, was zur Erhöhung der Temperatur führt. Der Referent hielt noch unzählige wissenschaftliche Fakten bereit und erklärte manche Phänomene ausführlich, sie würden diesen Rahmen hier deutlich sprengen.

In der anschliessenden Diskussion kam auch zum Ausdruck, dass manche Menschen gegenüber den Wissenschaften «fremdeln» und die Ergebnisse in Zweifel ziehen. Andere wiederum haben angesichts der aktuellen Debatte und den Klimademonstrationen von Jugendlichen Bedenken gegenüber einer geforderten Deindustrialisierung. «Ich möchte nicht zurück ins Mittelalter», sagte ein Votant. Ein anderer entgegnete, dass eine weit grössere Gefahr bei der Versauerung der Ozeane lauere.

Dieses Phänomen hat damit zu tun, dass Kohlendioxid in den Meeren gelöst wird und dazu führt, dass sich der pH-Wert des Wassers ändert, es findet eine langsame Versauerung statt. Vorindustriell lag der pH-Wert bei 8,2. Mittlerweile ist er auf einen Wert von 8,1 gesunken. Der pH-Wert gibt die Konzentration von Wasserstoffionen in Wasser an. In den Meeren haben bereits kleine Veränderungen eines Parameters grosse Auswirkungen. Viele kalkbildende Organismen reagieren sehr empfindlich auch auf geringe Änderungen. «Wenn das Plankton zurückgeht, das am Anfang einer Nahrungskette steht, die auch für uns Menschen eine wichtige Rolle spielt, dann wird das auch Auswirkungen auf den Speisezettel der Menschen haben», gab ein weiterer Votant zu bedenken.

Die Veranstaltung im neuen Leuen-Saal fand das Interesse von 60 Personen, die den wissenschaftlichen Ausführungen und der anschliessenden Diskussion mit Interesse folgten. Hierbei handelt es sich um eine Frage, die uns noch lange beschäftigen wird. Einfache Rezepte und schnelle Lösungen sind angesichts der Komplexität der Frage nicht möglich.

«Alle sind aufgerufen im Rahmen ihrer Möglichkeiten Beiträge zur Besserung zu leisten», sagte von Salis und «wer behauptet, der Beitrag unseres Landes an die Erderwärmung sei vernachlässigbar, der liefert sich gleich die Ausrede, nichts zu tun».